Ausstellungen

Die vielbeachtete Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim wird bis zum 26.11.2017 verlängert. Ab dem 18.11. können Besucher einen Raum mit Porträtgemälden von Gloria von Thurn und Taxis sehen – 18 Bildnisse von geistlichen Würdenträgern werden präsentiert.


Vergangene Ausstellungen

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Fürstin Gloria von Thurn und Taxis

Porträts 

Vernissage am Donnerstag, 30.3.2017, 19 Uhr

Zur Ausstellung erscheint das Buch: Felix von Boehm/Hans-Gerd Koch (Hg.): Die sieben Todsünden. Gespräche mit Christian Boros, Herlinde Koelbl, Rolf Eden, Wolfram Siebeck, Ulrike Ottinger, Gunter Gebauer, Hanna Schygulla. Mit Porträtgemälden von Gloria von Thurn und Taxis. 122 Seiten, gebunden, 978-3-941461-19-2, Wolff Verlag, 17,90 Euro.

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Muntere Lässigkeit

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis’ Porträts

Fürstin Glorias Porträtbilder sind ein Brunnquell des Vergnügens, ein leichtfüßiges, zugewandtes Anblicken und Festhalten der Gesichter ihres Lebens, das Antlitz gegenwärtiger, verrückter Zeit. Mit Leichtigkeit und ernsthaftem Witz bannt sie ihre Menschen auf Papier und Leinwand und schuf dabei innerhalb weniger Jahre ein weites Panoptikum des Blicks, ein Stammbuch der happy few, das Briefmarkenalbum einer Gesellschaft, die in Zusammenschau muntere Lässigkeit, kosmopolitischer Wandel, aber auch die großen, ernsten Linien der Tradition verbindet: Wolfgang Joop und Papst Benedikt, Sarah Wagenknecht und Kardinalpräfekt Gerhard Ludwig Müller in einem bildnerischen Raum.

Glorias Porträts entwachsen einem Skizzieren markanter Physiognomien und formen sich gerade in den hier ausgestellten Ölgemälden zu kontingenter Ästhetik, sind mehr als beiläufige Produkte fürstlicher Musestunden. Glorias Porträts strahlen: bunt, froh und dem guten Leben zugeneigt. Wir erkennen beim ersten Hinblicken: „Das ist ein Bild der Fürstin! Das ist ein Gloria!“.

In wenigen Strichen erfasst sie das offensichtliche Antlitz ihrer Porträtierten, verleiht ihnen die eigentümlichen kubistischen Augen, die kecke Abstraktion. In vielen Bildern teilen sich trotz, oder gerade wegen, der Reduktion die urtümlich Fleisch gewordenen Parameter eines Menschen mit, die tiefer liegenden Schichten seines Wesens. Zum Beispiel die dezente innere Verirrung eines Weltstars, die römische Grandezza in Kardinalrot, die Glaubensstärke und Gedankenschwere im Antlitz des Emeritus’. Aus tiefen Augenhöhlen blickt er eindrücklich, schräg aus dem Bild, beobachtet kritisch das Unbekannte, die Zeit der zwei Päpste. Seine Lippen sind eng verschlossen. Sein Kommentar verstummt im Inneren. Die anderen Bilder, Sie sehen sie rechts, sprühen vor Farbigkeit, zeigen Berliner Gesichter und tragen meistens Vornamen als Titel: Isa, Wolfgang, John, Max. Und wir erkennen: Gloria von Thurn und Taxis liebt es Hintergründe zu malen, mit verrückten Farbflächen dem Bild Charakter zu verleihen.

Die Porträtgemälde (und -zeichnungen) sind Kinder ihres Inderweltseins und in einer größeren Zusammenstellung, wie wir sie heute hier sehen dürfen, ein gar nicht so einfach zu lüftendes Geheimnis. Denn in keiner Ausstellung mischt sich so gelenk Hierarchie und Anarchie, katholische Bildepiphanie und poppige Optik. Alles ist dann doch eine Haltungsfrage, eine Frage von Weltdeutung und stillen Gewissheiten, die auch das Werk der Fürstin subtil lenken und leiten. Kurzum: Niemand anderes könnte dieses Oeuvre so geschaffen haben, niemand anderes als Gloria von Thurn und Taxis.

Sie muss mit ihrer authentischen Direktheit die eingespielten Regeln von Bild- und Wortsprache erst gar nicht zu umgehen versuchen, sondern kreiert ihr bildnerisches Oeuvre unkonventionell nach ihren eigenen Gesetzen. Gloria kennt als begnadete Sammlerin den Kunstmarkt und seine luftigen Regeln. Irgendwann hatte sie genug gesehen und entschied ihre Kunst auszustellen, Zweifel zu überwinden. Jeff Koons, Cindy Sherman und Julian Schnabel sind Künstlerfreunde, die die Fürstin ermutigten und ihr die Patronage der Kunstszene schenkten. In ihren Bildern mögen wir auch die serielle Kunstproduktion eines Andy Warhols durchschimmern sehen. In den 80ern besuchte sie ihn oft in seiner factory. Nach New York ist Gloria mittlerweile mit ihren eigenen Bildern zurückgekehrt. Im Chelsea Hotel zeigte sie 2014 ihre farbigen Porträts, ebenso in Paris und Rom und vergangenes Jahr in Berlin.

Wir freuen uns, dass Ihre Bilder – und Sie – in unsere quirlige Kunsthauptstadt zurückgekehrt sind. Die VIPS können Sie heute in Doppelprojektion bestaunen, in realiter und aufgehangen (an der Wand). Vermissen Sie sich in der fürstlichen Porträtgalerie – gerne nehmen wir Ihren Porträtwunsch entgegen. Denn Fürstin von Thurn und Taxis ist hier altmodisch: Wo andere Künstler das Porträt meiden und erst recht keine Auftragsarbeiten anbieten, nimmt Gloria von Thurn und Taxis trotz des Wissens um die bis ins Kleinste und zum Höchsten trainierte Porträtkunst gerne die Herausforderung an, denn sie steht nicht in Konkurrenz, muss nicht über- und wiederholen, sondern hat ihren eigenen Stil gefunden, der die alte Wahrheit bestätigt: dass man in einem Porträt auch immer den Künstler selbst erkennt, hier vielleicht sogar vordergründig der Fürstin unbeschwertes Wesen. Glorias Porträts beleben jede Sammlung als freudige Interpunktion, denn sie sind vor allem eines: Werke des frohen Lebens, Bilder des Glücks.


29.11.2016-17.12.2016

TINA HEUTER

Wie es euch gefällt

Nr. 2 der Reihe #überkreuz: ausgewählte Alte Meister, Skulpturen und Objekte sind in die Ausstellung eingeflochten.

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ULRICH MORITZ

MUSCHEL MIT LANDSCHAFT. Neue Zeichnungen

Nr. 1 der Reihe #überkreuz: ausgewählte Alte Meister, Skulpturen und Objekte sind in die Ausstellung eingeflochten.

Zur Vernissage wurde der Insel-Bücherei-Band „Muschel mit Landschaft“ mit Zeichnungen von Ulrich Moritz erstmals präsentiert.

 

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28.8.2014 – 1.1.2015
CARLO PAULUS
RINGSTRASSE. Architekturzeichnungen

Palast (II) 2012, Editionsdruck 2013 2/5, 21x29 cm, 160 Euro
Palast (II) 2012, Editionsdruck 2013 2/5, 21×29 cm, 160 Euro

Mit seinen imaginierten Architekturzeichnungen erschafft Carlo Paulus eine gewachsene Idealstadt, wie sie im europäischen Historismus existiert haben könnte: die durch die Moderne erweiterte Großstadt, die ihre mittelalterliche Winkligkeit durch das Anlegen von Plätzen, Schneisen und Repräsentationsbauten stolz überformt. Der Zwinger des Verteidigungsrings transformiert zur begrünten Ringstraße, die das Alte vom Neuen trennt und dem urbanen Kosmos umzirkelnd Ordnung und Geschwindigkeit schenkt.

Von einem Stadtplan ausgehend zeichnet Carlo Paulus die Fassaden jener unbenannten und unbewohnten Stadt, die man zu kennen meint und doch vergeblich den nicht vorhandenen Vorbildern nachreisen muss. Als Stilist einer anderen Baukultur führt Paulus den architektonischen Historismus als zeichnerische Phantasie fort, in seinen modularen Grundstrukturen wie seiner zierenden Fülle. Geheimnisvoll lebt der Reichtum gewachsener europäischer Baukultur in dieser papiernen Geisterstadt fort.

Die Ausstellung zeigt neue Werke aus diesem langfristig angelegten künstlerischen Vorhaben.

 

 


6.11. – 21.11.2014
DEENESH GHYCZY
DAS FREMDE SELBST. Malerei
Vernissage: 6.11.2014, 19 bis 21 Uhr

Purple Selfie, 68 x 50 cm, Leinwand, 2014
Purple Selfie, 68 x 50 cm, Leinwand, 2014

In seinen Porträts stellt der in Berlin und Budapest lebende Maler Deenesh Ghyczy die Frage nach der Identität des Selbst: Wer sind wir und wo wohnt der unentschlüsselbare Kern unserer Persönlichkeit? Die gebrochenen, gespiegelten oder fragmentierten Gesichter sprechen in ihrer stillen Suche nach der Fassbarkeit des menschlichen Subjekts. Wo mag unser Selbst verortet sein und wo liegen seine Grenzen? Was ist das Eigene unserer Identität und was das Fremde? Und welchen Anteil kommt bei diesem Aufspüren der Malerei zu?

In den neuesten Bildern bettet Deenesh Ghyczy seine gegenständlichen Darstellungen in einen abstrakt-gestischen Hintergrund ein. Auf den schnellen Pinselstrichen entstehen Bruchstücke von Personen, deren Antlitze erkennbar wie zugleich vom einem abstrakten Schleier versteckt scheinen. In diesem Spiel zwischen Transparenz und Opazität, zwischen Darstellung des menschlichen Gesichts und dem sich selbst anzeigenden gestischen Pinselstrich verhandelt Deenesh Ghyczy überdies die Möglichkeit des abbildhaften Malens nach einem vielfach postulierten Ende der Porträtkunst. Faktur und Materialität seiner Bilder weisen der Malerei ihre spezifische Funktion zu: durch das Individuell-Sensuale der malerischen Pinselführung prädestiniert zu sein Subjektivität zu transportieren, und, weitaus tiefgründiger als es das fotografische Abbild je vermöge, die geisterhafte Präsenz des Subjekts jenseits des Ikonischen zu evozieren.

Mit seinen in vielseitigen Serien geordneten Porträts gibt Deenesh Ghyczy damit auch der Materie ihre Sprache zurück.

 

 


25.9. – 27.10.2014
AXEL MALIK
DIE SKRIPTURALE METHODE

DIE SKRIPTURALE METHODE von Axel Malik wird bis zum 27.10.2014 verlängert und aufgrund der Nachfrage mit einem Finissage-Gespräch am 27.10., 20 Uhr, beendet. Axel Malik wird im Gespräch mit Christian Driesen, Doktorand des DFG-Graduiertenkollegs „Schriftbildlichkeit“ der FU Berlin, über seine Kunst und die ästhetische Resonanz unlesbarer Zeichen sprechen. Die Ausstellung ist werktags von 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.

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Seit 1989 schreibt Axel Malik Tag für Tag, zunächst in Tagebücher, dann auch auf Leinwände. Millionen von komplexen, zeichenartigen Schreibspuren, erfasst in mehr als 80 Bänden mit insgesamt über 25.000 Seiten sowie auf großformatigen Leinwänden, dokumentieren ein Schreibprojekt, das der Künstler als DIE SKRIPTURALE METHODE bezeichnet.

Seine Zeichen sind nicht im Sinne konventioneller Zeichensysteme lesbar, was die Arbeit deutlich von kalligraphischen Ansätzen unterscheidet. Die gegeneinander klar abgegrenzten Setzungen verweisen nicht wie Worte einer regulären Sprache auf etwas Wirkliches oder Vorgestelltes, sondern sind auf die Intensität, die Impulshaftigkeit und die strukturellen Parameter des Schreibens fokussiert. Ausgeleuchtet werden die inhomogenen Dynamiken und die unberechenbare Potentialität der Schreib-Bewegung selbst. Maliks komplexe Linien formen eine expansive Matrix im Niemandsland zwischen Schrift und Malerei. Der Schreibprozess wird als eine sich extrem ausdifferenzierende Bewegungssphäre thematisiert, als eine grundlegende Absicht und Vibration im Bewusstsein. Video-Installationen, Schreib-Performances und akustische Archive mit Schreibgeräuschen sind wichtiger Teil seines Projektes.

Die aktuelle Ausstellung zeigt eine Auswahl der verschiedenen Medien und Formate der SKRIPTURALEN METHODE und ist Auftakt einer sich über mehrere Monate erstreckenden Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe des Künstlers in Berlin. Den Mittelpunkt bildet 2015 die Installation „Bibliothek der unlesbaren Zeichen“ in der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin („The Berlin Brain“).

 

 


21.5. – 11.7.2014
ULRICH KRETSCHMANN
NACHTSCHATTEN. Malerei

Ulrich Kretschmann, Ohne Titel, 30 x 40 cm Öl auf Leinwand, 2014
Ulrich Kretschmann
Ohne Titel, 30 x 40 cm
Öl auf Leinwand, 2014

Die erhabenen Momente des Lebens besitzen einen Himmel, der sich überwölbt und in seiner aus Licht und Wasser lebenden Dynamik den Augenblick allwissend und doch undeutbar kommentiert. Laue Maiwolken, von der Nachtigall angesungene milde Mondhimmel, erdrückende Gebilde schwernasser Nächte – stets überraschend sich formierend ziehen die großen Wolkenhimmel der Kunstgeschichte über die Landschaft und lassen Kenner wie Träumer verstummen ob der Gewalt ihrer flüchtigen Übermacht. Ulrich Kretschmanns Gemälde sind selbst kreierte Himmelsgebilde und zugleich Porträts großer Wolkenmomente, die einen erstaunen und mit der Frage zurück auf der festen Erde lassen, ob sie Erinnerung oder Weissagung sind.

Ulrich Kretschmann widmet sich seit 2005 seinen atmosphärischen Himmelsbildern, nachdem er zuvor skulpturale Installationen schuf. Nach einem Unfall empfand er deren Schaffensprozess als zu unsinnlich und wendete sich ab von einer rein rational erschließbaren Kunst und damit von seinem früheren Werk. Die abstrakte Schule scheint in den Malereien durch und erhebt sie zu mehr als bloße Landschaftsmalerei.

 


10.12.2013 – 24.1.2014
ULRICH MORITZ
NACH DER NATUR. Zeichnungen

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Aus der Zeit gefallen zeichnet Ulrich Moritz Objekte und Landschaften in realistischer Manier. Er zählt zu den wenigen gegenständlich-exakt arbeitenden Zeichnern Deutschlands, die einen mimetischen Kunstanspruch besitzen. Jahrzehnte war Moritz nur einem geschlossenen Kreis von Sammlern bekannt, darunter Anita Albus, Sibylle Lewitscharoff, Katharina und Hans Magnus Enzensberger, Martin Mosebach oder Hanns Zischler. Erst 2012 wurde er durch eine ausführliche Berichterstattung im ZEIT-Magazin und ein essayistisches Porträt der Öffentlichkeit bekannt.

Mit der Ausstellung wurden die Werke des 64-jährigen Buntstiftzeichners erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Gezeigt wurden ältere und jüngere Landschaften sowie ausgewählte Objektzeichnungen.

2012 erschien im Wolff Verlag die Publikation: Robert Eberhardt, „Atelierbesuch Ulrich Moritz“, 48 Seiten, 978-3-941461-09-3, 9,90 Euro.